Antworten auf konkrete Fragen zu "Mitgestaltung lokal verankern"

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Wozu eine aufwändige Mitgestaltung?

Ein Mitgestaltungsprozess ist ein erprobter Weg, um Ideen und Visionen für die zukünftige Entwicklung eines Dorfes zu finden. Mitgestaltung motiviert die BewohnerInnen, durch eigenes Engagement zur Verwirklichung dieser Ideen beizutragen. Es gibt viele Anknüpfungspunkte für einen Mitgestaltungsprozess, z.B. wenn es darum geht,

  • die Bevölkerung in die Ortsplanung einzubeziehen
  • ein Gemeinde-Leitbild zu erarbeiten
  • die lokale Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Gewerbe, Bevölkerung und Gemeinde anzuregen
  • das Gemeindeleben zu bereichern
  • die Integration der BewohnerInnen zu verbessern
  • latente Konflikte zwischen BewohnerInnengruppen zu lösen
  • der Abwanderung entgegenzuwirken
  • Natur- und Landschaftsschutzmassnahmen in der Gemeinde umzusetzen
  • die Lebens- und Erholungsqualität in der Gemeinde zu verbessern
  • eine zukunftsgerichtete Entwicklung der Gemeinde mit Rücksicht auf die lokale Eigenart zu ermöglichen
  • Unterstützung für eine Idee oder ein konkretes Projekt zu finden.

Wenn Sie sich fragen, in welchen Bereichen oder für welche Probleme eine Mitgestaltung in Ihrem Dorf sinnvoll sein könnte, versuchen Sie sich die heutige Situation vor Augen zu führen:

  • Welche ungelösten Fragen und Probleme gibt es?
  • Welche Bevölkerungsgruppen sind davon besonders betroffen?
  • Was steht einer Lösung im Weg?
  • Welche Potentiale und Chancen sind bis jetzt nicht genutzt worden?
  • Bestehen bereits Bestrebungen zur Lösung einer bestimmten Frage, die man allenfalls mit einem Mitgestaltungsprozess unterstützen könnte? Eine solcher Prozess kann sehr gut mit bereits laufenden oder geplanten Vorhaben verknüpft werden, z.B. mit einer Ortsplanungsrevision, der Entwicklung eines Gemeinde-Leitbildes, der Gestaltung des Dorfplatzes, einer Projektwoche in der Schule etc.

Gute Gründe für einen Mitgestaltungsprozess

Das Dorf ist der Wohn- und Lebensraum der ansässigen BewohnerInnen, der viele ihrer Bedürfnisse erfüllt und in dem sie sich zuhause fühlen. Eine wichtige Qualität des Dorfes ist das Dazugehören oder anders gesagt: die soziale Integration. Anders als früher lässt sich in der heutigen Gesellschaft Integration nicht mehr einfach dadurch erreichen, dass sich die Einzelnen den vorgegebenen Normen und Möglichkeiten anpassen. Soziale Integration lässt sich in modernen Gesellschaften nur erreichen, indem die BewohnerInnen ihren Lebensraum und ihr soziales Umfeld aktiv mitgestalten.

Mitgestaltung bedeutet, auf der Basis von gegenseitigem Austausch und Verständigung eine Form des Zusammenlebens und der Zusammenarbeit im Dorf zu schaffen, die es allen ermöglicht, ihre Bedürfnisse und Ideen aktiv in die Entwicklung ihres Lebensraumes einzubringen.

  • Mitgestaltung ist ein Grundbedürfnis, sei es in der eigenen Wohnung oder im öffentlich Raum des Dorfes. Sie ermöglicht es den Menschen, sich auszudrücken und sich mit ihrer Umgebung zu identifizieren.
  • Ein lebendiges Dorf ist angewiesen auf die Ideen seiner BewohnerInnen.
  • Wenn die BewohnerInnen ihr Dorf mitgestalten, fördert dies die Kommunikation und die Zusammenarbeit und gibt dem Dorf dadurch einen (neuen) Sinn.
  • Mitgestaltung führt dazu, dass sich die BewohnerInnen mit dem Dorf identifizieren und sich für ihre Umwelt verantwortlich fühlen: dies ist die Grundlage des demokratischen Systems.
  • Mitgestaltung stellt sicher, dass die Bedürfnisse der BewohnerInnen erfüllt werden können und diese ihre Zeit wieder vermehrt im Dorf verbringen.
  • Mitgestaltung führt zu einer besseren Lebensqualität und fördert eine starke lokale Kultur.
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Wer macht den ersten Schritt?

 

Die erste Initiative zu einem Mitgestaltungsprozess kann jeder Bewohner und jede Bewohnerin ergreifen. Daraus folgt nicht, dass diese Personen dann für den weiteren Prozess und dessen Erfolg verantwortlich sind. Im ersten Schritt geht es vielmehr darum, die Idee einzubringen und Unterstützung zu suchen für die Bildung einer eigenständigen Trägerschaft (z.B. ein "Dorfforum"), die dann den weiteren Verlauf plant und organisiert. Sprechen Sie mit Freunden und Bekannten und suchen Sie Mit-InitiantInnen, die mit Ihnen die Initiative ergreifen.

Es erfordert stets Mut und Energie, eine Initiative zu ergreifen. Sie sollten sich bewusst sein, dass Sie sich damit im Dorf exponieren und dass dies auch negative Reaktionen auslösen kann. Versuchen Sie daher, ihre Initiative nicht als persönliche Mission zu verstehen, sondern als Vorschlag im Interesse des ganzen Dorfes. Sie können nicht viel mehr tun, als einen Impuls zu geben. Versuchen Sie aber, dies überzeugend zu tun! Um andere für eine neue Idee zu gewinnen, ist nicht nur Überzeugungskraft nötig, sondern auch Besonnenheit und Geduld. Eine gute Idee muss reifen. Nehmen Sie sich Zeit für die ersten Schritte, setzen Sie niemanden unter Druck und lassen Sie sich selber nicht unter Druck setzen.

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Gibt es Erfahrungen mit Mitgestaltung?

 

Es ist manchmal schwierig, andere von etwas zu überzeugen, das man selber nicht genau kennt und von dem man nicht schon im Voraus sagen kann, was dabei herauskommt. Viele Leute wollen sich nicht durch schöne Worte vom Sinn und Nutzen der Mitgestaltung überzeugen lassen, sondern allenfalls erst durch Erfahrungen und Ergebnisse.

Inzwischen gibt es in der Schweiz und im nahen Ausland zahlreiche Gemeinden, die Erfahrungen mit Mitgestaltung gemacht haben. Bereits gibt es eine ganze Reihe von veröffentlichten Erfahrungsberichten. Sie müssen das Rad nicht neu erfinden, nutzen Sie die Erfahrungen, die andernorts gemacht wurden. In unserer Plattform finden Sie nähere Angaben zu vielen Projekten in der Schweiz und im Ausland sowie Kontaktadressen von Beteiligten, die gerne über ihre Erfahrungen Auskunft geben.

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Welche Rolle spielen die Gemeindebehörden?

 

Versuchen Sie möglichst früh, die Gemeindebehörden vom Nutzen der Mitgestaltung zu überzeugen und für das Vorhaben zu gewinnen. Die Gemeindebehörden sind oft stark belastet und sehen in einem Mitgestaltungsprozess v.a. zusätzliche Arbeit. Es ist jedoch nicht die Aufgabe der Behörden, den Prozess durchzuführen. Dazu wird mit Vorteil ein "Dorfforum" gebildet. Es ist aber unerlässlich, dass die Gemeindebehörden hinter dem Vorhaben stehen und es zumindest ideell unterstützen. Ohne die Unterstützung des Gemeinderates wird der Mitgestaltungsprozess nur wenig Resonanz in der Bevölkerung finden und die Umsetzung der daraus entstehenden Projekte wird erschwert.

Der Prozess der Mitgestaltung ist darauf ausgerichtet, die ganze Bevölkerung und die verschiedenen Interessen einzubeziehen. Gerade dieser übergreifende Ansatz müsste im Grunde jeden Gemeinderat überzeugen. Der Mitgestaltungsprozess ist z.B. ein geeigneter Weg, um

  • die Lebensqualität im Dorf und die Attraktivität der Gemeinde zu steigern
  • dem politischem Desinteresse und der Abwanderung entgegen zu wirken
  • Konflikte abzubauen, das gegenseitige Verständnis zu fördern und neue Wege der Zusammenarbeit und der Problemlösung zu finden
  • die Akzeptanz für Massnahmen der Behörden zu erhöhen
  • die Anliegen und Bedürfnisse der BewohnerInnen kennen zu lernen
  • neue Ideen für die Zukunft des Dorfes zu entwickeln.
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Wie kann Mitgestaltung finanziert werden?

Ein wichtiger Ansprechpartner für die Finanzierung sind die Gemeindebehörden. Gelingt es, die Gemeinde für eine Teilfinanzierung zu gewinnen, ist es wesentlich leichter, weitere Geldgeber zu finden (Bund, Kanton, Stiftungen, lokale Sponsoren). Leider fehlen bisher in der Schweiz - anders als beispielsweise in Deutschland oder Österreich - institutionelle Förderprogramme für solche Prozesse.

Mitgestaltung kann mit geringem finanziellen Aufwand eingeführt werden, falls sich das "Dorfforum" und die BewohnerInnen stark engagieren und in der Gemeinde bereits ein gutes Gesprächsklima herrscht. In der Regel sind jedoch Qualität und Wirkung des Mitgestaltungsprozesses grösser, wenn eine externe Beratung und Begleitung beigezogen wird. Die Kosten für eine externe Begleitung richten sich nach den Aufgaben, die ihr übertragen werden.

Unterstützung durch externe Institutionen
Es gibt verschiedene Institutionen, die Mitgestaltungsprozesse in Gemeinden unterstützen, sei es finanziell, durch Beratung oder durch Animation. Die Kriterien, die erfüllt werden müssen, um von diesen Leistungen profitieren zu können, sind unterschiedlich. Nähere Informationen finden Sie in der Plattform.

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Wie kann das Interesse der BewohnerInnen an der Mitgestaltung geweckt werden?

 

Damit eine Idee bekannt wird, muss man sie verbreiten. Die wirksamste Vermittlung ist immer die persönliche, ihre Reichweite ist aber in der Regel beschränkt. Damit die Idee der Mitgestaltung in der Gemeinde Fuss fassen kann, muss eine gute Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden. Dies gilt für alle Phasen des Mitgestaltungsprozesses. Um die BewohnerInnen laufend über den Prozess zu informieren, eignen sich z.B. regelmässige Beiträge in der Dorfzeitung, die alle Haushalte erreicht. Gute Kanäle sind auch Flugblätter, Berichte in der Tagespresse und Plakate im Dorf.

Am Anfang geht es v.a. darum, die BewohnerInnen über Sinn und Zweck eines Mitgestaltungsprozesses zu informieren und darzulegen, welche Pläne in diese Richtung bestehen und wer sich damit beschäftigt. Natürlich können Sie die Bevölkerung im gleichen Zug zur Mitarbeit an den weiteren Schritten aufrufen. In der Regel erhalten Mitteilungen und Informationen mehr Aufmerksamkeit, wenn sie von den Gemeindebehörden stammen, also sich z.B. der Gemeinderat mit einer Orientierung an die BewohnerInnen richtet. Die Behörden kennen auch andere Kanäle, um Informationen an die Bevölkerung weiterzugeben. Suchen Sie deshalb die Unterstützung der Gemeindebehörden, wenn es darum geht, die Menschen in der Gemeinde zu informieren.

Um die verschiedenen Bevölkerungskreise für die Mitgestaltung zu gewinnen, sind Überzeugungskraft und Geduld erforderlich. Ein wichtiges Argument für eine breit abgestützte Mitgestaltung ist die Verbesserung der Lebensqualität und der Zusammenarbeit im Dorf. Der Mitgestaltungsprozess bietet allen Beteiligten die Chance, ihre Problemsichten und Anliegen vorzubringen. Der Kern des Prozesses besteht darin, dass die BewohnerInnen in einem geschützten Rahmen ihre Wünsche und Ideen austauschen können und gemeinsam Wege zu einer Verwirklichung breit abgestützter Anliegen suchen. Auch in verfahrenen Situationen können dadurch neue Impulse entstehen und bisher unüberwindbar geltende Hindernisse abgebaut werden.

Überlegen Sie, welchen Nutzen die verschiedenen Personen und Gruppen in Ihrer Gemeinde von einer Mitgestaltung haben. Sie erhöhen damit die Chancen, weitere Kreise von der Idee zu überzeugen. Zum Beispiel:

Gruppe

Problemsichten und Wünsche der Gruppe

Warum soll diese Gruppe am Prozess beteiligt sein?


Alteingesessene

Dorfleben beleben

Gemeinschaft fördern

verfügen über lokales Wissen

Neuzuzüger

Integration ins Dorf verbessern

Treffpunkte schaffen

bringen neue Bedürfnisse, aber auch neue Ideen mit ins Dorf

Vereine

abnehmenden Mitgliederzahlen entgegenwirken

neuen Schwung ins Vereinsleben bringen

haben ein grosses Mitarbeitspotential

verfügen über wichtige Verbindungen


Landwirte

neue Ideen zur Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte

neue Formen der Kooperation

haben eine grosse Flächenverantwortung

sind wichtige Partner


Schulen, Kinder und Jugendliche

eigene Ideen einbringen bei der Gestaltung von Treffpunkten, Pausenplätzen, öffentlichen Plätzen etc.

eigene Ideen einbringen bei der Gestaltung von Veranstaltungen, Festen etc.

Abbau und Vermeidung von Gewaltbereitschaft und Frustration

werden am möglicherweise am längsten im Dorf wohnen

haben viel Phantasie

können früh Mitverantwortung lernen


Naturschutz-Interessierte

Zukunft thematisieren

Koalitionen für die Verbesserung des Lebensraums finden

bringen viel Engagement mit

verfügen über ökologisches Wissen

sind oft gute Steuerzahler


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Wie geht man mit Widerständen und Abwehrreaktionen um?

 

Was tun, wenn etablierte Institutionen (Parteien, Vereine, Gruppierungen etc.) wenig Interesse an einer breiten Mitgestaltung der Bevölkerung zeigen oder sie gar offen ablehnen? In vielen Gemeinden haben langjährig bestehende Institutionen und die darin oft stark vertretenen eingesessenen Bevölkerungskreise einen beträchtlichen Einfluss auf das Dorfleben und die Gemeindepolitik. Sie sind daher oft wenig an einer breiten Mitgestaltung der Bevölkerung interessiert, da sie fürchten müssen, dadurch an Einfluss zu verlieren. Eher beschränken sie sich auf ihre eigenen Interessen und grenzen sich gegenüber anderen Anliegen ab. Auch wenn deshalb in der Regel nicht damit zu rechnen ist, dass diese Institutionen von Beginn weg euphorisch hinter der Idee der Mitgestaltung stehen, müssen sie unbedingt einbezogen werden. Dies deshalb, weil sie einerseits wichtige Anliegen vertreten und es später zu erheblichen Schwierigkeiten führen kann, wenn sich bestimmte Gruppen übergangen fühlen, und weil sie andererseits mit ihrer Haltung zur Mitgestaltung die Meinung in der Bevölkerung entscheidend beeinflussen können.

Der wichtigste Grund, der für eine Beteiligung der Vereine und Institutionen spricht, sind jedoch die Vorteile, die sie aus der Mitgestaltung ziehen können. Die Befürchtung, durch eine breite Mitsprache der Bevölkerung Einfluss zu verlieren mag zwar verständlich sein, ist aber unbegründet. Die Mitgestaltung gibt den Institutionen die Gelegenheit, sich der Bevölkerung zu präsentieren und ihren Beitrag an das Dorfleben einzubringen. Der breite Austausch von Ideen und Anliegen schafft Kontakte, baut Barrieren ab und eröffnet so neue Wege der Zusammenarbeit. Dies eröffnet auch den dörflichen Institutionen neue Spielräume für die Umsetzung ihrer Anliegen und verleiht dem Vereinsleben neue Impulse.

Es kann und soll niemand zum Mitmachen gezwungen werden, und es müssen nicht alle restlos überzeugt sein (dies wird kaum je der Fall sein), bevor man die weiteren Schritte angeht. Die Mitgestaltung sollte aber soviel Rückhalt im Dorf haben, dass sie nicht bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu Fall gebracht werden kann.

Argumentationshilfe bei Fundamentalkritik:

"Das endet doch sowieso nur in ewigen Diskussionen, bei denen sich einige wenige profilieren wollen, und es kommt am Ende nichts dabei heraus"

Es gibt zahlreiche in der Praxis bewährte Methoden der Moderation, die verhindern, dass man sich in endlosen Diskussionen verstrickt, und die es ermöglichen, dass möglichst viele Menschen ihre Meinung ausdrücken können. Wesentliche Bestandteile des Mitgestaltungsprozesses sind zudem ein ziel- und ergebnisorientierter Arbeits- und Zeitplan.
"Die BewohnerInnen können sich doch jetzt schon beteiligen, wenn sie wollen. Wozu haben wir Parteien und Gemeindebehörden? Sollen die damit etwa ausgehebelt werden?" Die Instrumente der Bürgerbeteiligung, die es heute auf Gemeindeebene gibt, dienen dem Zweck, Einzelinteressen in der Gemeindepoltik zu berücksichtigen, punktuelle Entscheidungen herbeizuführen und die Reaktion der Bevölkerung auf verschiedene Planungen abzufragen. Bei einem partizipativen Prozess geht es jedoch darum, dass die BewohnerInnen gemeinsam über das Dorf und seine Zukunft nachdenken, Ideen entwickeln und gemeinsame umsetzen. Den Rahmen hierfür kann nur ein offener Mitgestaltungsprozess bieten. Dort, wo es um die Lebensqualität für alle im Dorf geht, sollten sich auch alle beteiligen können. Formalisierte Bürgerbeteiligung und Mitgestaltungsprozess schliessen einander nicht aus und können einander nicht ersetzen.
"Da macht doch sowieso niemand mit. Bei uns schaut doch jeder nur für sich. Da kann man doch sowieso nichts daran ändern." Es kommt darauf an, den Menschen geeignete Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen. Sozusagen einen "Raum" zu bieten, in dem sich Ideen entwickeln können. Wenn die entsprechenden Methoden eingesetzt werden, machen mehr Menschen mit als man erwartet. In zahlreichen Orten ist diese Erfahrung bereits gemacht worden. Und ausserdem: wer nichts wagt, gewinnt nichts.
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Was ist ein Dorfforum und was tut es?

 

Das Dorfforum ist eine ausgewogen zusammengesetzte Gruppe von ca. 7 bis 12 Personen aus dem Dorf, welche bereit sind, für den Mitgestaltungsprozess einzustehen. Das Dorfforum hat v.a. folgende Aufgaben:

  • Es vertritt den Mitgestaltungsprozess in der Öffentlichkeit und verleiht ihm in der Bevölkerung das nötige Gewicht.
  • Es plant und organisiert die weiteren Schritte und sorgt dafür, dass die lokalen Kenntnisse und Fähigkeiten optimal einbezogen werden.
  • Es fördert die Kommunikation zwischen den verschiedenen Bevölkerungskreisen und vermittelt bei Konflikten.

Damit das Dorfforum von den BewohnerInnen als interessenübergreifende Trägerschaft anerkannt wird, muss es aus VertreterInnen möglichst vieler verschiedener Bevölkerungskreise zusammengesetzt sein (z.B. Eingesessene, Zugezogene, junge Eltern, AusländerInnen, SeniorInnen, Kinder, Jugendliche, Bauern, Gewerbe, Kirche, Vereine, Schule, Behörden etc.).

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Wie findet man geeignete Personen für das Dorfforum?

 

Die Mitarbeit im Dorfforum verlangt von den Beteiligten Offenheit und Bereitschaft zu Zusammenarbeit - auch mit Leuten, die man bisher vielleicht eher gemieden hat. Überlegen Sie, welche Personen dafür geeignet sind. Da die Mitglieder des Dorfforums wichtige VemittlerInnen der Mitgestaltung sind, ist es auch günstig, wenn sie ein gewisses Gewicht in der Bevölkerung oder in bestimmten Kreisen haben.

Um geeignete Personen für das Dorfforum zu gewinnen, ziehen Sie mit Vorteil eine Person (oder mehrere) aus der Gemeinde bei, welche das Dorf gut kennt und in der Bevölkerung breite Anerkennung geniesst (z.B. die Gemeindepräsidentin oder ein ehemaliger Lehrer). Die als geeignet erachteten Personen können am leichtesten dadurch für eine Mitarbeit im Dorfforum gewonnen werden, wenn man sie auf die Chancen hinweist, welche der Mitgestaltungsprozess dem Dorf als gesamten und und den ihnen nahestehenden Bevölkerungskreisen im Besonderen eröffnen kann.

Überlegen Sie selbst, welche Vorteile die Gruppen in Ihrem Dorf von einem Mitgestaltungsprozess haben. Sie erhöhen damit die Chancen, weitere Personen von der Idee zu überzeugen.

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Wie arbeitet das Dorfforum?

 

Bevor das Dorfforum seine Arbeit aufnimmt, ist zu klären, wer die Gruppe leitet und die Moderation der Sitzungen übernimmt. Diese Aufgabe ist für eine wirksame Arbeit des Dorfforums sehr wichtig. Es kann sie jemand aus dem Dorfforum übernehmen oder eine externe Person, z.B. eine professionelle Moderatorin oder ein professioneller Berater. Für eine externe Moderation sprechen das Wissen und die Erfahrung, die eine Fachperson auf diesem Gebiet mitbringt, sowie ihre neutrale Position im Dorf. Vergessen Sie nicht, dass Mitgestaltung eine Neuerung darstellt, die gewohnte Strukturen und Abläufe in Frage stellt. Dies kann leicht zu Missstimmung und Konflikten führen. In solchen Situationen kann die Begleitung und Vermittlung durch eine Fachperson, die von aussen kommt, sehr hilfreich sein.

Die gemischte Zusammensetzung des Dorfforums und die unterschiedlichen Interessen und Sichtweisen seiner Mitglieder machen es erforderlich, dass genügend Zeit eingeräumt wird, um die Idee der Mitgestaltung und die damit verbundenen Erwartungen, aber auch Zweifel und Befürchtungen zu diskutieren. Soll das Dorfforum seine Aufgaben erfolgreich meistern, müssen seine Mitglieder eine gemeinsame Linie finden und eine konstruktive Zusammenarbeit aufbauen. Nur wenn sich alle ernst genommen fühlen, kann die Überzeugung reifen, dass die Mitgestaltung für alle ein Gewinn ist und niemand übergangen werden soll. Die Mitglieder des Dorfforums werden andere von der Idee der Mitgestaltung nur dann überzeugen können (und wollen), wenn sie selber davon überzeugt sind!

Hat sich das Dorfforum über die Ziele der Mitgestaltung verständigt, kann es die Planung der weiteren Etappen an die Hand nehmen. Dabei ist es hilfreich, wenn die Leitung oder eine Untergruppe einen ersten Vorschlag als Diskussionsgrundlage erarbeitet. Wichtige Fragen für die Planung sind z.B.:

  • Wie erreichen wir, dass sich möglichst viele BewohnerInnen an der Mitgestaltung beteiligen?
  • Zu welchem Zeitpunkt führen wir welche Veranstaltungen durch?
  • Welche Vorbereitungen sind nötig und wer übernimmt welche Arbeiten?
  • Wie können wir die Bevölkerung über die geplanten Aktivitäten informieren?
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Was kann eine externe Begleitung beitragen?

 

Die Planung und Durchführung eines Mitgestaltungsprozesses ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die u.U. einen beträchtlichen Aufwand erfordert. In vielen Gemeinden hat es sich deshalb bewährt, die Unterstützung eines professionellen Beraters oder einer professionellen Moderatorin beizuziehen. Eine externe Begleitung kann bereits von Anfang an beigezogen werden, z.B. um die Mitgestaltung aufzubauen und den gesamten Prozess zu begleiten. Sie kann aber auch erst später oder nur für punktuelle Aufgaben eingesetzt werden, bei denen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten nützlich sein können. Professionelle ModeratorInnen

  • kennen die richtigen Methoden und Instrumente zur erfolgreichen Durchführung von Veranstaltungen aller Art und sind geübt in der Leitung solcher Anlässe
  • gehen unbelastet und unvoreingenommen an Ihr Dorf und seine BewohnerInnen heran
  • bringen einen Blick von aussen ein, der neue Perspektiven und Lösungswege aufzeigen kann
  • werden von der Bevölkerung eher anerkannt, da sie von ausserhalb der Gemeinde kommen und neutral sind.

Eine externe Begleitung kann verschiedene Aufgaben übernehmen, z.B.

  • Ansprech- und Auskunftsstelle für alle Beteiligten und Interessierten
  • Begleitung und Beratung des Dorfforums
  • Leitung der Sitzungen des Dorfforums
  • Begleitung und Beratung von einzelnen Gruppen und Personen
  • Organisation und/oder Leitung von Informationsveranstaltungen, Workshops, Sitzungen, Gesprächsrunden etc.
  • Vermittlung bei Konflikten
  • Begleitung und Beratung bei der Umsetzung von Ideen
  • Koordination der Öffentlichkeitsarbeit etc.

Auch bei einem grossen Engagement wird der Aufwand der externen Begleitung 20 bis 25 Tage nicht überschreiten. Die Tagesansätze von ModeratorInnen liegen im Durchschnitt bei etwa Fr. 1000.-. Für eine mittlere Gemeinde sollte dies in der Regel ein verkraftbarer Budgetposten sein. Zudem bestehen in der Schweiz zahlreiche Stellen, die für eine Mit-Finanzierung angefragt werden können.

 

© WSL / Home / AutorInnen / 17.05.2006