Antworten auf konkrete Fragen zur "Ideenumsetzung"

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Wie kann die Öffentlichkeit über die Auswertung des Ideenaustauschs informiert werden?

 

Die Sichtung und Auswertung der Ergebnisse (Beiträge, Bepunktungen, Kommentare, spontane Ideen, Interessensbekundungen etc.) ist ein wichtiger Teil des Ideenaustauschs. In der Regel wird die externe Begleitung oder das Dorfforum die Auswertung vornehmen und einen Bericht verfassen, der z.B. in der Dorfzeitung veröffentlicht wird. Die BewohnerInnen - auch gerade jene, die nicht daran teilgenommen haben - werden ausführlich über den Ideenaustausch informiert:

  • Welche Bevölkerungsgruppen haben welche Beiträge präsentiert?
  • Wie lief der Ideenaustausch ab? Wie erfolgreich verlief er?
  • Welche Themenschwerpunkte zeigten sich? Was beschäftigt die BewohnerInnen am meisten?
  • Welche Ideen werden besonders breit getragen (viele Punkte, Interessenten)?
  • Welche besonders originellen Ideen (ev. Sieger des Ideenwettbewerbs) wurden vorgebracht?
  • Zu welchen Ideen haben sich bereits Arbeitsgruppen gebildet, und wer sind die Kontaktpersonen?
  • Wie geht es weiter mit anderen Ideen? An wen können sich Interessierte melden?

Die Auswertung soll möglichst alle Bevölkerungskreise erreichen. Sie dient einerseits dazu, die BewohnerInnen über den Ideenaustausch und die dadurch ausgelösten Initiativen zu informieren. Andererseits macht sie deutlich,

  • dass im Dorf ein grosses Ideenpotential besteht und dass die Anliegen und Ideen der BewohnerInnen ernst genommen werden.
  • dass die Bewohner mit vielen ihrer Wünsche und Anliegen nicht allein sind und es deshalb legitim ist, sich dafür einzusetzen.
  • dass auch neue und ungewohnte Ideen Unterstützung finden und es deshalb angebracht ist, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.
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Wie kann die Bildung von Arbeitsgruppen angeregt und gefördert werden?

 

Es entspricht der Grundidee der Mitgestaltung, dass die Verantwortung für die Ausarbeitung und Umsetzung von Ideen nicht an die Behörden delegiert wird, sondern dass interessierte BewohnerInnen die Ideen so weit wie möglich selber verwirklichen. Es empfiehlt sich, dazu Arbeitsgruppen zu bilden, in denen Interessierte an einer Idee oder an einem Thema weiterarbeiten. Vielleicht sind bereits während der Ideensammlung oder beim Ideenaustausch lose Gruppen entstanden, die nun als Arbeitsgruppen ihre Anliegen weiter verfolgen können.

Ist dies nicht oder nicht ausreichend der Fall, muss die Bildung von Arbeitsgruppen aktiv gefördert werden. Das Dorfforum oder die externe Begleitung können versuchen, unter jenen Personen und Gruppen, die sich bisher mit einer Idee beschäftigt haben, einen ersten Kern für eine Arbeitsgruppe zu bilden. Gemeinsam mit diesem Kern kann dann die externe Begleitung ein erstes Treffen organisieren mit dem Ziel, eine Arbeitsgruppe ins Leben zu rufen. Auf diese Anlässe kann z.B. im Auswertungsbericht hingewiesen werden. Es empfiehlt sich, wenn immer möglich auch direkt (telefonisch oder persönlich) auf Leute zuzugehen und sie zur Mitarbeit einzuladen. Finden sich zunächst nur wenige Interessierte, können zu Beginn auch mehrere Arbeitsgruppen mit verschiedenen Ideen zusammengefasst werden. In der Anfangsphase kann eine Arbeitsgruppe auch sehr klein sein oder ausnahmsweise nur aus einer Person bestehen. Erfahrungsgemäss lassen sich Leute leichter für eine Mitarbeit gewinnen, wenn bereits eine gewisse Vorarbeit geleistet wurde.

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Was tun die Arbeitsgruppen?

 

Die Arbeitsgruppen konkretisieren ihre Ideen und arbeiten ein Konzept aus, wie diese umgesetzt werden können. Dazu sind z.B. folgende Punkte zu klären:

  • Wie soll unser Projekt aussehen?
  • Welche Arbeitsschritte müssen gemacht werden?
  • Welche Ressourcen brauchen wir, um unser Projekt umzusetzen?
  • Wer ist von der Umsetzung unseres Projekts betroffen?
  • Wessen Zustimmung und Mithilfe müssen wir gewinnen, und welche Argumente haben wir?
  • Wie sieht der Zeit- und Terminplan für die einzelnen Arbeitsschritte aus?
  • Wer übernimmt welche Aufgaben?
  • Was kostet die Umsetzung unseres Projekts?
  • Woher kann das Geld dafür kommen?
  • Wer ist zuständig für die Weiterführung (z.B. Betreuung, Unterhalt etc.)?

Bei der Konzeptentwicklung ist es hilfreich, auf Erfahrungen von ähnlichen Projekten in anderen Gemeinden zurückzugreifen. Sehr interessant und aufschlussreich ist z.B. eine Besichtigung von erfolgreich umgesetzten Projekten in anderen Gemeinden und das Gespräch mit den direkt Beteiligten. Solche Begegnungen vermitteln auf anschauliche Weise eine Vorstellung von der Entwicklung einer Idee bis zu ihrer Umsetzung. Mit eigenen Augen und im persönlichen Gespräch Erfolge und Schwierigkeiten praktischer Beispiele kennen zu lernen, inspiriert und motiviert für die eigenen Bemühungen.

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Wie können Dorfforum und externe Begleitung die Arbeitsgruppen unterstützen?

 

Viele Menschen sind sich nicht gewohnt, selbständig Projekte in der Gemeinde zu erarbeiten und können sich nur zaghaft zu einem persönlichen Engagement durchringen. Auch wenn der Ideenaustausch eine breite Unterstützung für ein Anliegen zum Ausdruck gebracht hat, haben viele (allzu) grossen Respekt vor möglichen Hindernissen und Schwierigkeiten und hegen Zweifel an den Erfolgschancen weiterer Bemühungen. Die Mitglieder von neu gebildeten Arbeitsgruppen zeigen manchmal wenig Ausdauer und sind schnell bereit, bei ersten Schwierigkeiten resigniert aufzugeben.

Arbeitsgruppen - v.a. wenn sie neu gebildet wurden - brauchen deshalb in der Regel immer wieder Impulse und Unterstützung von aussen.

Einige Anregungen für Arbeitsgruppen

  • Um effizient arbeiten zu können, sollten die Arbeitsgruppen eine Grösse von 10 bis 15 Personen nicht überschreiten.
  • Zeit und Einsatzbereitschaft der BewohnerInnen sind begrenzt. Es wirkt motivierend, wenn sich bald erste Erfolgserlebnisse einstellen. Die Gruppen sollten sich daher kleine Schritte vornehmen und sich konkrete Zwischenziele setzen. Auch für die Wirkung nach aussen ist es wichtig, dass die Gruppe bald Fortschritte vorweisen kann. Dies erhöht die Akzeptanz bei Entscheidungsträgern und wirkt motivierend auf andere.
  • Eine Arbeitsgruppe braucht eine gewisse Struktur. Es braucht eine Leitung, die für Einladung, Ablauf und Moderation der Sitzungen zuständig ist. Diese Person kann die Arbeitsgruppe aus ihrer Mitte bestimmen. Auch die externe Begleitung kann diese Aufgabe übernehmen und damit eine Arbeitsgruppe in der Anfangsphase festigen. Später, wenn sich die Gruppe stabilisiert hat, kann sich die externe Begleitung zurückziehen und die Arbeitsgruppen selbständig arbeiten lassen. Bei Bedarf sollten die Arbeitsgruppen aber stets auf die Unterstützung und Beratung durch das Dorfforum oder die externe Begleitung zurückgreifen können.

Neben dieser methodischen (und mentalen) Begleitung können Arbeitsgruppen auch mit Infrastruktur (Räumlichkeiten, Arbeitsgeräte, Hilfsmittel etc.) und evt. kleinen finanziellen Beiträgen (für Spesen, den Beizug von Experten etc.) unterstützt werden. Es ist möglichst zu vermeiden, dass das persönliche Engagement den Einzelnen unzumutbare finanzielle Kosten aufbürdet.

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Wie kann in verfahrenen Situationen und bei Konflikten vermittelt werden?

 

Um Projekte zu verwirklichen, braucht es die Zustimmung und die Zusammenarbeit der Mitbetroffenen. Einen Konsens zu finden, ist nicht immer einfach, da unterschiedliche Interessen aufeinander prallen und schnell Abwehrhaltungen gegenüber Ansprüchen anderer eingenommen werden. Oft fehlt es an gegenseitigem Verständnis und der Bereitschaft, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. In vielen Fällen ist zur Überwindung solcher Hindernisse eine aktive Vermittlung nötig.

Es ist wichtig, dass man sich dieser Schwierigkeiten bewusst ist, man sollte sie aber nicht überbewerten. Oft werden nämlich die Schwierigkeiten der Zusammenarbeit überschätzt; im nachhinein zeigt sich immer wieder, dass die Schwellenangst vor Gesprächen mit den Behörden oder mit betroffenen Personen (z.B. Landbesitzern oder Hauseigentümern) unbegründet war. Die Erfahrung zeigt, dass viele Fragen relativ einfach zu lösen sind, wenn man das direkte Gespräch sucht.

Es kann aber durchaus vorkommen, dass - eventuell schon länger vorhandene - Ideen nicht aufgrund mangelnden Engagements, sondern aufgrund von bestehenden oder latenten Konflikten zwischen verschiedenen Gruppen scheitern. In diesen Fällen muss zwischen den Konfliktparteien eine Vereinbarung gesucht werden, die von allen Seiten akzeptiert wird. Dabei empfiehlt es sich, eine unparteiische Vermittlung beizuziehen. Diese Rolle kann die externe Begleitung oder eine neutrale, von den Konfliktparteien akzeptierte Person aus dem Dorf übernehmen.

Zu einer aktiven Vermittlung gehören

  • eine neutrale Vermittlungsperson, die alle Beteiligten und Betroffenen zu einem Gespräch einlädt.
  • klare Spielregeln für den Gesprächsverlauf, die es allen Parteien ermöglichen, ihre Sichtweise und ihren Standpunkt zu erklären, so dass gegenseitiges Verständnis entstehen kann.
  • die Fähigkeit der Vermittlungsperson, die verschiedenen Standpunkte zu überblicken, zu ordnen und die Diskussion zu konstruktiven Lösungsansätzen zu führen.

Das Ziel liegt darin, dass die Konfliktparteien zusammen eine Problemlösung ausarbeiten, von der alle profitieren. Dies kann u.a. mit folgenden Schritten erreicht werden:

  • Herausarbeiten der Konfliktpunkte
  • Ansprechen der dem Konflikt zugrundeliegenden Interessen
  • Ausloten von Handlungsspielräumen und Entscheidungsmöglichkeiten zum beiderseitigen Vorteil (win-win-Situation)
  • Absichern der Verhandlungsergebnisse (Protokoll, Vereinbarung, Vertrag).

Die vermittelnde Person sollte folgende Grundregeln einhalten:

  • Menschen und Probleme getrennt voneinander behandeln
  • Auf Interessen konzentrieren, nicht auf Positionen
  • Entscheidungsmöglichkeiten zum beiderseitigen Vorteil entwickeln
  • Auf der Anwendung objektiver Masstäbe und Kriterien bestehen.
Thematische Arbeitskreise in Wallhausen a.d. Nahe / Deutschland
Nach dem offiziellen Start der Dorferneuerung 1995 mit einer Bürgerversammlung und Gesprächen mit Einzelpersonen und Gruppen kristallisierten sich sechs Themenschwerpunkte heraus. Zu diesen Themen bildeten sich Arbeitskreise, die alle von der externen Moderatorin, die den gesamten Prozess begleitete, moderiert wurden. Beim Arbeitskreis Spielplatz sah das dann so aus:

Aktivitäten:

  • Gründung des Arbeitskreises
  • diverse Arbeitskreistreffen
  • Ortstermin und Verhandlung mit Beteiligten
  • Planungstag mit Betroffenen und Planern, Pressearbeit, Spenden mobilisieren, Gewinnung von Mitstreitern, Realisierung komplett in Eigenleistung
  • Zukunftsgespräch über Struktur und Weiterarbeit nach Abschluss der Begleitung durch externe Moderatorin

Ziele und Ergebnisse während der Begleitung durch externe Moderatorin:

  • Arbeitsform sicherstellen
  • Projektformulierung: Spielplatz in der Ortsmitte
  • Ergebnis: Ausbau des Spielplatzes in Eigenleistung. Finanzierung durch Spenden, Mittel der Dorferneuerung und Zuschuss der Gemeinde

Literatur: Christoph Besemer (1993): Mediation. Vermittlung in Konflikten. Freiburg.

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Was ist bei der Umsetzung von Projekten zu beachten?

 

Es gibt Projekte, die ohne grossen Aufwand umgesetzt werden können. Andere setzen einen politischen Entscheid der Gemeinde voraus. Soweit dies möglich ist, sollten die umsetzungsreifen Projekte direkt von den Arbeitsgruppen und der Bevölkerung realisiert werden. Gerade im baulichen Bereich kann einiges in Eigenarbeit verwirklicht werden. Beispielsweise können Schüler und Schülerinnen bei der Pausenhof-Umgestaltung selbst Hand anlegen. Oder die Bevölkerung hilft beim Bau eines Teichs in einer Grünanlage. Experten sollten nur dann hinzugezogen werden, wenn ihr Fachwissen notwendig ist.

Viele Projekte sind mit der Umsetzung nicht beendet. So müssen z.B. ein Spielplatz, ein Jugendtreff oder ein restaurierter Dorfbrunnen auch in Zukunft betreut und unterhalten werden. Mitgestaltung bedeutet, dass auch diese Aufgaben so weit möglich und sinnvoll von den BewohnerInnen übernommen werden. Die Frage, wie ein Projekt längerfristig betrieben und betreut wird und wer die entsprechenden Aufgaben übernimmt, muss deshalb bereits im Konzept geklärt werden. Nur so wird ein Projekt auch die Unterstützung der Gemeindebehörden (und ev. der Gemeindeversammlung als letzte Entscheidungsinstanz) finden. Oft kann eine Arbeitsgruppe viel Vertrauen - insbesondere von Seiten der Behörden - gewinnen, wenn sie sich als Verein konstituiert.

Umsetzungsbeispiele aus verschiedenen Gemeinden
Erhalt und Sanierung historischer Backhäuschen Val Lumnezia
Strassenbeleuchtung, von Einheimischen entworfen und produziert Oberlienz/Österreich
Veranstaltung Spezialitätenwochen mit regionalen Produkten Buchschachen/Österreich
ehrenamtlicher Fahrdienst für Senioren Wallhausen/Deutschland
Ferienprogramm für Kinder Seugast/Deutschland
Internationales Workcamp für Jugendliche Lauterhofen/Deutschland
Umgestaltung des Pausenplatzes Schulhaus Oberberg Henau SG
Hausbänke vor jedem Haus zur Belebung des Dorflebens Hirschbach/Österreich
Dorfzeitung "Ammler Zitig" Amden
Kulturcafé in Zusammenarbeit mit Kulturverein Urnäsch
Ausstellung mit Kunst von Einheimischen Isenthal
Versorgung öffentlicher Einrichtungen mit erneuerbaren Energien: Hackschnitzel- und Solaranlage Naturns/Südtirol
Öffnung verdolter Bäche und Gewässerrenaturierung Kippenhausen/ Deutschland
Reduzierung der Versiegelung um 15 % Dambroich/Deutschland
Ökosiegel für sechs touristische Betriebe Naturns/Südtirol
Ökologisches Schullandheim Licherode/Deutschland
Naturnaher Badesee Davos
Erlebnisweg Auerbergland, mit Rad- und Wanderkarte Munts
Wiedereröffnung Dorfladen Auerbergland/ Deutschland
Installation einer Dörrobstanlage Ottenhausen/Deutschland
Erhalt des Gitschenen-Skilifts durch Genossenschaft Steinbach, Steyr/Österreich
autofreies Neubauquartier Isenthal Kössen/Österreich
Homepage der Gemeinde mit allen wichtigen Informationen Urnäsch
 

© WSL / Home / AutorInnen / 17.05.2006