Aufgrund Ihrer Beschreibung, dass in Ihrem Dorf Vorhaben und Projekte nicht
vorankommen oder blockiert sind und heisse Themen die Bevölkerung
spalten, charakterisieren wir ihr Dorf als:
Dorf im Umbruch
In vielen Dörfern liegen konkrete Fragen oder Vorhaben in der Luft, die als Ausgangspunkt für einen Mitgestaltungsprozess genutzt werden können. Es ist sehr gut möglich, eine Mitgestaltung zunächst auf eine bestimmte Fragen oder ein konkretes Vorhaben zu beschränken und später auf andere Bereiche zu erweitern. Dazu zwei Beispiele:
- Immer mehr Gemeinden verfügen über ein Leitbild, das Ziele und Schwerpunkte für die künftige Entwicklung des Dorfes festlegt. Die Ausarbeitung eines solchen Gemeinde-Leitbildes lässt sich sehr gut mit einem Mitgestaltungsprozess verbinden, da damit die Anliegen und Bedürfnisse der BewohnerInnen auf breiter Basis erfasst und als Grundlage für das Leitbild genutzt werden können. Auch für die Umsetzung eines bereits bestehenden Leitbildes ist eine Mitgestaltung empfehlenswert; wenn die BewohnerInnen direkt beteiligt werden, erhöhen sich die Chancen, dass die Inhalte des Leitbildes auch umgesetzt werden, und es nicht bloss ein Papiertiger bleibt. Ähnliches gilt auch für andere Vorhaben, z.B. für die Ausarbeitung und Umsetzung eines Landschaftskonzepts oder einer Ortsplanung.
- In vielen Gemeinden sind kleinere oder grössere Vorhaben in Planung, z.B. die Schaffung oder Umgestaltung des Dorfplatzes, Massnahmen zur Verkehrsberuhigung, Umnutzung von Liegenschaften oder Arealen etc. Werden die BewohnerInnen im Rahmen eines MItgestaltungsprozesses in solche Projekte einbezogen, stärkt dies die Akzeptanz und die Mitverantwortung für diese Vorhaben. Dies kann entscheidend dazu beitragen, Widerstände und Einsprachen aus der Bevölkerung zu verhindern, welche sonst die Umsetzung blockieren oder ganz verunmöglichen könnten.
Die thematische Eingrenzung eines Mitgestaltungsprozesses ist v.a. dann angezeigt, wenn ein "heisses Thema" das Dorf spaltet und sich daran weitere Spannungen und Konflikte entzünden. In einem solchen Fall ist ein thematisch offener Mitgestaltungsprozess nicht zu empfehlen, da der schwelende Konflikt die dafür nötige Offenheit und Gesprächsbereitschaft verunmöglicht. Vielmehr sollte in solchen Fällen das ungelöste Problem zum Thema gemacht werden.
Konfliktlösung:
Die Leitung kann z.B. eine von den Konfliktparteien anerkannte Person oder Gruppe aus dem Dorf übernehmen. In Konfliktsituationen ist jedoch in der Regel der Beizug einer externen Begleitung sehr zu empfehlen. Die Aufgabe der Leitung bzw. der externen Begleitung besteht v.a. darin, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln, Gespräche zu moderieren und den Weg für eine Lösung des Konflikts zu ebnen. Gelingt es auf diesem Weg, die Fronten zu glätten und eine allseits akzeptierte Lösung des Problems zu finden, kann in einem nächsten Schritt ein Mitgestaltungsprozess wie im Vorgehen beschrieben angegangen werden.