Aufgrund ihrer Beschreibung, dass sich die Leute selten grüssen, dass ihr Dorf eher städtisch ist, die soziale Kontrolle eher schwach ist oder sich wenige BewohnerInnen im Dorf engagieren, charakterisieren wir ihr Dorf als:

Städtisches Dorf



Ihre Antworten weisen darauf hin, dass Ihr Dorf mehr städtisch als ländlich geprägt ist. Das Dorf hat sich vielleicht in den letzten Jahren oder Jahrzehnten stark vergrössert. Es sind viele BewohnerInnen neu zugezogen, die nicht mehr auf dieselbe Weise mit dem Dorf verbunden sind wie die Eingesessenen. Der Zusammenhalt ist eher lose, man kennt die meisten Leute nicht näher und die soziale Kontrolle ist vergleichsweise schwach. Es gibt zwar ein reges Dorfleben und engagierte Leute, viele wohnen aber einfach da und kümmern sich vornehmlich um ihre eigenen Angelegenheiten.

In einem solchen Dorf stellt sich die Frage, wie man die verschiedenen Bedürfnisse und Anliegen der (häufig wechselnden) BewohnerInnen integrieren kann. Es geht also v.a. darum, den Ideen und Anliegen der BewohnerInnen Raum zu geben, Verständnis für die verschiedenen Sichtweisen und Bedürfnisse zu schaffen und Wege zu suchen, breit getragene Anliegen umzusetzen. In einem städtisch geprägten Dorf muss ein Mitgestaltungsprozess bei den Einzelnen und ihren Anliegen ansetzen. Viele BewohnerInnen stehen den (traditionellen) dörflichen Institutionen zwar grundsätzlich wohlwollend gegenüber, wollen aber nicht aktiv mittun. Sie wollen sich nicht zu stark binden mit Terminen und Verpflichtungen und legen Wert auf Unabhängigkeit und Selbständigkeit. Weil aber Mitsprache im Dorf oft nur vermittelt durch die Institutionen möglich ist, bleiben viele BewohnerInnen ausgeschlossen. Mitgestaltung bietet hier eine neue Form der Beteiligung, die nicht nur die Institutionen einbezieht, sondern alle BewohnerInnen.

Verankerung:
In einem städtisch geprägten Dorf ist es wichtig, eine neue, unabhängige Trägerschaft für einen Mitgestaltungsprozess zu bilden (z.B. ein Dorfforum). Die Mitglieder sollen aus möglichst verschiedenen Bevölkerungskreisen stammen und über ein gewisses Gewicht im Dorf verfügen.

Ideensammlung:
Bei der Ideensammlung steht die Sensibilisierung der BewohnerInnen im Vordergrund. Sie wirkt anregend und kann zur Vorbereitung des Ideenaustauschs dienen. Besonders empfiehlt sich hier eine Zusammenarbeit mit den Schulen. Wichtig ist, dass auch die grosse Gruppe der nicht-organisierten BewohnerInnen teilnehmen kann.

Ideenaustausch:
Beim Ideenaustausch ist eine möglichst aktive Beteiligung des Publikums anzustreben, z.B. mit einem Ideenbasar. Ideensammlung und Ideenaustausch können auch direkt miteinander verknüpft werden, z.B. in Form einer Ideenwerkstatt.

Umsetzung:
Die BewohnerInnen in städtisch geprägten Dörfern (v.a. auch ZuzügerInnen) zeigen erfahrungsgemäss eine recht grosse Bereitschaft sich für etwas zu engagieren, wenn es sie persönlich betrifft und sie sich getragen und unterstützt fühlen. Dieses Potential, gilt es bei der Ausarbeitung und Umsetzung von Projekten zu nutzen.

Institutionalisierung:
Die Institutionalisierung der Mitgestaltung sollte sicherstellen, dass der Austausch erhalten bleibt und neue BewohnerInnen einbezogen werden. Dies kann z.B. mit der Einrichtung einer Vermittlungsstelle geschehen.